Alta – Tag neun – oder von Funktionskleidung und Sicherheitschecks

Schnee auf Deck

Mit Rosahimmel und spiegelglattem Wasser stachen wir gestern Abend wieder in See. Das mit dem spiegelglatt änderte sich bald, die Wellen wurden höher und das Wetter schlug um und…

…heute Morgen dann Schnee auf Deck! Die Küste im Nebel, Schneegestöber rundum. Schön! Und es ist kälter hier in Alta, wo wir gegen 8 Uhr anlegten. Die Einfahrt begleitet von ein paar Delphinen, unglaublich.  Das Wetter war unentschlossen – vernebelte Sonne kurz, dann verschwand die Stadt buchstäblich vor meinen Augen und der Wind fegte über den Quai.

Das bringt mich zur Funktionskleidung:
Es gibt ja diejenigen Mitreisenden, die bereits zum Frühstück voll eingekleidet in Wolle, Softshell und windundwasserundunwetterabweisendeabertrotzdematmende Kleidung gehüllt sind, kontrollierend in die Runde schauen und sofort alle mit vorwurfsvollen Blicken strafen, die noch im Safariprint-Pyjama beim Kaffee sitzen. Ich geniesse dieses Szenario jeden Morgen, grotesk einfach. Und dann gibt es diejenigen, die in kurzen Hosen, weil irgendwie Kreuzfahrt, und Turnschuhen nach draussen möchten, dann aber von der Crew höflich dezidiert angewiesen werden, doch einen Mantel und beinbedeckende Kleidung anzuziehen. So gut. Und dann gibt es noch den Moment, wo Funktionskleidung tatsächlich Sinn macht – wenn der Wind ums Schiff peitscht, der Nullpunkt arg unterschritten wird, der Boden gefroren und die Sicht minimal ist. Nur – dann bleiben auch die Funktionskleidungsspezialisten auf dem Schiff und draussen sind die Wanderschuhläufer und Handgestricktpulloverreisenden. Alltag im hohen Norden.

Zurück zu Alta. Die Stadt liegt am Kopf des 38 km langen Alta-Fjords, wird auch Stadt des Nordlichts genannt und ist berühmt wegen des Quarzit-Schiefers, der hier abgebaut und in die ganze Welt exportiert wird. Auch hier hat der 2. Weltkrieg seine Spuren hinterlassen. Gegen dessen Ende waren hier 20’000 deutsche Soldaten stationiert, die den Auftrag hatten, den Weitertransport von Gütern in die Sowjetunion zu verhindern. Als die Truppen abgezogen wurden, brannten sie die gesamte Infrastruktur, sprich die ganze Stadt, nieder, um den einfallenden Truppen nichts zu hinterlassen. Einzig eine weisse hölzerne Kirche trotze dem Feuer, sie steht da heute noch als Zeitzeuge.

Nordlichtkathedrale Alta

Ich besuchte die Nordlichtkathedrale (Nordlyskatedralen), ist ja klar. Sie ist in Spiralform gebaut und aussen komplett mit Titantafeln eingekleidet. Sie reflektieren den minimalsten Lichteinfall, was ich bloss mit Sonnenlicht und für ein paar Minuten sah. Das muss aber ganz und gar wunderbar aussehen in der Zeit der Polarnächte, wenn Nordlicht auf die Fassade trifft. Möchte ich zu gerne einmal sehen! Auch der Innenraum ist speziell, ganz in Beton, die Beleuchtung ganz wunderbar, das wäre ja was für Mica!

Ein Kurzbesuch im Alta Museum war dann die nächste Station. Tausende von Petroglyphen wären dort zu sehen, hätte es keinen Schnee. Heute jedoch ist alles unter einer dicken Schneedecke verborgen. Deshalb ein Streifzug durch das Museum und dabei entdeckte ich eine aussergewöhnliche Sammlung horn bonnets der Sámi (Ládjogahpir) – exakt nach ursprünglicher Technik rekonstruiert.

horn bonnets der Sami Kultur Norwegen

Ich lerne jeden Tag so viel! Ich bräuchte mehr Zeit hier, der Norden zieht mich ganz in seinen Bann. So viel Information, so überwältigende Natur, so viel zu sehen. Doch die Zeit reist schnell, bereits war die Crew mit ihrem Sicherheitstraining beschäftigt und in Minutenabständen dröhnten die Sirenen, piepsten Funkgeräte und wurden Befehle und Bestätigungen hin und her gesprochen. Das mit der Sicherheit nehmen sie echt ernst hier an Bord.

Leinen los, die zauberhafte Landschaft schwebt an meinem Bullauge vorbei. Und zum wohl tausendsten Mal kann ich den Blick nicht lösen. Da trifft ein Sonnenstrahl auf eine Bergkuppe, dort geht ein Fjord auf. Leichter Wellengang und die Möglichkeit, nochmals Polarlicht zu sehen. Was für ein Land, der hohe Norden von Norwegen!

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