Honningsvåg (Honningsvog) – Tag acht – Magerøya (Magröya) – Nordkap!

Richtung Honningsvag, Norwegen

Schaukelnde Nacht, eine Stunde weniger und ein Morgen wie aus dem Bilderbuch. Hätte mir vor ein paar Wochen jemand gesagt, dass ich freiwillig tagtäglich um 6 Uhr oder früher aufstehe, ich hätte nur gelacht. Laut gelacht. Hier jedoch…

Heute auch der Tag in Honningsvåg. Eine kleine Stadt, wie sie sagen, obschon hier nur rund 2200 Menschen wohnen. Der Hafen ist einer der meist besuchten hier oben, weil es der nächstgelegene zum Nordkap ist. Alle Kreuzfahrtschiffe legen hier an, was ein groteskes Bild abgibt – riesige Schiffe vor keinen farbigen Häusern. Fluch und Segen zugleich.

Nordkap! 71° Nord.

Dazu dies: Am Ausgang der Kleinstadt liegt die nördlichste Tankstelle und der nördlichste Supermarkt. Søren erklärt uns wie wichtig diese Gebäude sind, was erst einmal leicht irritierend ist, da ja einfach eine Tankstelle und ein Supermarkt. Doch exakt in der Mitte zwischen den beiden Gebäuden verläuft der 71 Breitengrad – ein wirklich wichtiger Ort also! Auch hat Honningsvåg einen Flughafen. Allerdings ist er so klein, dass man ihn beinahe übersieht. Die Piste ist 800 m lang, was wohl für abenteuerliche Starts und Landungen sorg, je nach Wetter. Denn, es kann stürmen hier, und zwar richtig. Da werden locker auch mal Hauptstrassen geschlossen, vom Flughafen gar nicht zu reden. Richtig Wetter, das soviel hier oben am nördlichsten Punkt von Europa bestimmt. Wobei das mit dem nördlichsten Punkt ja nicht stimmt, denn der liegt auf dem Fels Kinnarodden auf der Nordkinn Halbinsel und ist nur zu Fuss erreichbar. Dennoch gilt das Nordkap als nördlichster Punkt.

Mageroya, King Crab, Königskrabben

Wir besuchen jedoch zuerst die King Crab Station auf Magerøya. Ich hatte ja keine Ahnung von diesen Tieren! Die werden richtig gross, die grössten haben eine Spannweite von bis zu 1,8 m! Die Königskrabben aus dieser Gegend sind auch speziell und man kann ihr Gewicht beinahe mit Gold aufwiegen. Der Krabbenfänger, ich weiss seinen Namen nicht mehr, erzählt uns sehr detailliert über deren Gewohnheiten, dass sie schlicht alles fressen und auch, dass sie, ausser den Menschen, keine natürlichen Feinde haben und sie sich deshalb rasend schnell ausbreiten. Auch hier Fluch und Segen für die Fischer. Er mag sie, seine Krabben, spricht sehr liebevoll von ihnen und betont immer wieder, dass sie in Norwegen stets getötet werden bevor sie ins kochende Wasser kommen; das ist noch immer nicht überall so.

Weiter dann durch die tief verschneite Landschaft, bergauf immer weiter nördlich. Das Nordkap liegt 33 km nordwestlich von Honningsvåg. Der Himmel ist noch wolkenverhangen, weiter draussen auf dem Meer leuchtet jedoch ein zartes Hellblau. Dick eingepackt in praktisch sämtliche Kleider, die ich mitgenommen habe, laufe ich hinaus auf das grosse Plateau und bin – einmal mehr – überwältigt. Von der Aussicht, der Grossartigkeit dieser Natur um mich herum. Innert Kürze spüre ich meine Finger nicht mehr, da ich ständig am Fotografieren bin. Keine gute Idee, also weg mit dem Phone und einfach schauen, staunen und immer wieder «ich glaubs eifach nöd» vor mich hin murmeln. Und dann geht plötzlich der Himmel auf!

Ha! Sonne – und die Szene ist schlagartig eine andere. Alles glänzt, begeisterte Ausrufe rundum, es ist wahnsinnig schön! Und gleich auch ein paar Grad wärmer, fühlt sich jedenfalls so an. Welch Wetterglück! Das ist wirklich ein Privileg, denn das Wetter kann hier blitzschnell umschlagen. Oft ist das Feldplateau im hohen Norden neblig, stürmisch und von Schneegestöber umhüllt. Wir haben aber freie Sicht und Kristallwetter – und dies an Ostern. Keine hüpfenden Hasen, dafür kreischende Möven, weit oben im Blau gemächlich kreisende Vögel, Adler vielleicht. Wunderbar! Ich könnte Seiten füllen, aber die Worte gehen mir aus. Einfach schauen, die klare und eiskalte Luft einatmen und lachen. Nordkap, 71° Nord. Bleibt unvergessen.

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