Ålesund (Olesünd) – Tag vier

Alesund, Godoy, Rollo

Das Westkap liegt schon hinter uns, der Wellengang war nicht zu arg, eher ein Schaukeln in den Morgenstunden. Raus aufs Umlaufdeck und baff, vor uns grad eine Brücke, unter der wir durchfahren werden. Reicht es? Das die Frage, dich sich aufdrängt und natürlich total doof ist und trotzdem wie ein Elefant im Raum, respektive an der Reling steht. Fast schon elegant gleiten wir unten durch, oben erst ein zwei winzig kleine Autos – es ist ja noch ganz früh und die halbe Welt schläft noch. Bereits kann ich den Blick nicht mehr lösen von der Landschaft rundum, doch der Wind treibt mich vor sich her. Mit Schwung erwische ich die Tür und schwups, bin ich drin. Kaffee, unbedingt.

Ålesund liegt vor uns, die Einfahrt ist spektakulär und die Stadt berühmt. Eindrücklich vor allem die Geschichte vom Brand 1904, der in einer kalten und stürmischen Januarnacht die gesamte Altstadt zerstörte. Der Wiederaufbau musste da schnell gehen, die obdachlosen Menschen brauchten ja dringend ein neues Dach über ihren Köpfen. Beauftragt wurden viele junge Architekten, frisch aus dem Studium und aus ganz Europa, die, ganz der Zeit entsprechend, Neubauten in Jugendstil planten. Diese wurden auch gebaut und so entstand die erste Jugendstil Stadt in Norwegen. So gut!

Anstatt durch die Stadt zu spazieren, fahre ich mit einem Bus hinaus auf die verschiedenen Inseln, die durch 3 Unterwassertunnels und Brücken miteinander verbunden sind. Ich musste da nur schon hin, weil Giske ja der Geburtsort von Rollo ist, auch wenn seine Statue im Stadtpark von Ålesund steht. Wikinger all around. Von Orientierung kann keine Rede sein, doch das ändert sich mit der letzten Station, dem Aksla. Ein Aussichtspunkt, der über der Stadt thront. Man kann da auch hinaufsteigen, es führen 418 Treppenstufen von der Altstadt hinauf. Aber egal wie man da rauf kommt, es lohnt sich auf jeden Fall! Wow! Diese Aussicht! Und eben – auch Übersicht. Einfach nur ganz grossartig!

Zurück auf das Schiff, ablegen und noch ein Blick zurück. Oder zwei, oder drei. Wie viele Fotos habe ich schon gemacht? Viele Dinge kann man nicht mit der Linse einfangen. Dennoch ich bin versucht, immer wieder kleine Filmchen zu drehen. Möchte alles festhalten, mit nach Hause nehmen. Vielleicht ist das ja nicht die beste aller Ideen, aber dem Versuch widerstehen ist auch kein Plan. Ach was solls.

Langsam werden auch die Mitreisenden vertrauter, es ist so ganz ohne Worte klar, wer wem ein bisschen aus dem Weg geht, mit wem man einen Schwatz haben kann und wer jetzt also echt Ahnung vom Fotografieren, Klettern, Eistauchen, Inderweltherumreisen oder was auch immer hat. Interessante Geschichten rundum, die mich oft zum Lachen bringen, oder zum Mitdiskutieren. Zum Staunen auch – was die Menschen alles tun!

Die Nacht soll nochmals etwas ruppig werden, wir werden sehen. Langsam nähern wir uns auch der Polarlicht Region. Und morgen überqueren wir dann irgendwann zwischen 8 und 9 Uhr abends den Polarkreis. Jetzt aber erst mal einfach schlafen.

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