
Anlegen morgens um 7 Uhr. Während ich noch durchs Bullauge blinzle, sind die Sportlichen schon unten am Quai bereit für angesagte Abenteuer, kaum ist der Steg unten. Also raus, einmal rund um Deck 6, dann bin auch ich wach. Die Werft am Hafen ist riesig, die kleine Stadt dahinter lockt mich nur schon darum, weil hier Harald Schönhaar verehrt wird. Angeblich soll er gar hier begraben sein, was nie wirklich bestätigt werden konnte. Ein Grabhügel mit entsprechendem Monument erzählt allerdings eine klare Geschichte.
Vorher aber Frühstück. Hier einmal etwas zur Küche, resp. den unzähligen Köstlichkeiten, die dort gekocht, gebraten, geräuchert und mariniert werden. Es ist wirklich unglaublich, wie exzellent hier gekocht wird. Ein Hoch also auf die Küchencrew!
Aber zurück zum Morgen.
Hinaus also, Högesünd, wie sie das hier glaub nennen. Wieder einmal laufen, hinauf zur Brücke, eine wirklich imposante, weil alt und steil hinauf, mit Pik und dann wieder steil hinunter. Die Stadt liegt weit unten, wie ein Modell und die einzigen Menschen, die ich treffe, sind dick eingemummt und zügig unterwegs. Ich jedenfalls komme mir daneben viel zu leicht bekleidet vor, was sich dann nach einer knappen Stunde auch bewahrheitet – ich friere richtig. Zum Glück gibt’s in meinem kleinen Bad in der Kabine Bodenheizung! Ja! Grossartig!
Mit rot angelaufenem Gesicht dann halt doch grad wieder raus aufs Deck, denn wir legen schon ab und weiter geht’s nordwärts. Auch die Wettergötter sind uns wohlgesinnt, denn durch die Schleierwolken ist immer noch ein bisschen die Sonne zu sehen. Nicht warm, aber optisch wirksam. Das soll sich ja ändern im Laufe des Nachmittags. Vorher lerne ich aber noch den Unterschied zwischen den runden Bergkuppen und den spitzen Gipfeln der Lofoten. Und natürlich dies und das über die Wikinger. Norwegen ist einfach toll!
Tatsächlich setzt Nieselregen ein, die Mitreisenden verziehen sich in eine der Bars und wir Alleinreisenden werden zu einem Glas Schämpis eingeladen. Da ich nicht vertraut bin mit Uniformen und der entsprechend goldenen Bestreifung erfuhr ich erst im Nachhinein, dass es der Kapitän war, der uns begrüsste. Das Gespräch war locker und witzig und die Gläser hatten ein fein eingeätztes Muster. Ein bisschen Noblesse oblige in Faserpelz. Herauskam, dass wir uns nun einen Tisch teilen beim Abendessen. Wir sind international und drei Frauen: Niederlande, Malta und Schweiz. Ich reise wirklich gerne alleine und so ergeht es auch den anderen beiden, doch am Abend zusammen essen und sich über den Tag unterhalten macht einfach Freude. Gut so.
Draussen ist es mittlerweile dunkel und kalt, der Wellengang wird etwas rauer. Der Test mit dem MOB ging auch gut, wir sind wieder unterwegs, nachdem die Trollfjord kurz gestoppt hat. Wobei kurz der falsche Ausdruck ist. Es ist laut, tönt als würde etwas kaputtgehen und dauert eine ganz Weile, bis so ein grosses Schiff stillsteht. Aber wie gesagt, Test erledigt und wir sind wieder in voller Fahrt. Alles gut – übrigens, das mit den MOBs ist eine andere Geschichte, das kommt dann später irgendwann.
In den sehr frühen Morgenstunden umschiffen wir das Westkap. Dort ist offene See und es kann, könnte oder wird, da sind sich nicht alle einig, stürmisch werden. Mal sehen, was Neptun oder Poseidon – oder hier wohl Ràn, Ägir oder Njörd – mit uns vorhaben.
